Halle gedenkt Opfer des Anschlags – Antisemitismus-Warnung

Halle (dpa) – Ein Jahr nach dem rechtsextremen und antisemitischen Terroranschlag hat in Halle das Gedenken an die Toten und Verletzten begonnen.

Am Freitagmorgen legten unter anderem der Zentralrat der Juden und die Landtagspräsidentin von Sachsen-Anhalt, Gabriele Brakebusch, große Gedenkkränze vor der Synagoge ab. Auch am angegriffenen Döner-Imbiss in der Nähe lagen frische Blumen.

Am Hauptbahnhof malten Vertreter des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen (Lamsa) erste Strichmännchen aus Kreide auf den Boden. Aus den Kreidezeichnungen soll als Zeichen der Solidarität eine gemalte, kilometerlange Menschenkette durch die Innenstadt werden, wie Lamsa-Chef Mamad Mohamad zum Auftakt sagte. «Jeder kann mitmachen.»

In der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, um an die Geschehnisse und die Opfer des Terroranschlags vom 9. Oktober 2019 zu erinnern. Zum Tatzeitpunkt kurz nach 12.00 Uhr soll das Leben in der Stadt still stehen und Glockengeläut ertönen. Am Nachmittag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Halle erwartet.

Vor genau einem Jahr hatte ein schwer bewaffneter Mann vergeblich versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der mehr als 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten.

Als das misslang, erschoss der Mann eine 40 Jahre alte Passantin, tötete beim Angriff auf einen nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20-Jährigen und verletzte und traumatisierte zahlreiche weitere Menschen, ehe er nach rund eineinhalb Stunden gefasst wurde. Vor dem Oberlandesgericht läuft gerade der Prozess gegen den 28 Jahre alten Angeklagten Stephan Balliet. Der Deutsche hat die Tat eingeräumt.

«Die Wunde, die jener 9. Oktober 2019 geschlagen hat, diese Wunde verheilt – aber es bleibt eine Narbe. Diese Narbe sollten wir nicht verstecken: Sie mahnt uns, sie erinnert daran, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist», erklärte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

Außenminister Heiko Maas bezeichnete rechten Terror als «größte Gefahr für unser Land». «Inzwischen gibt es alle 24 Minuten in Deutschland eine rechtsextrem motivierte Straftat. Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist die bittere rechtsradikale Realität in Deutschland», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Jeder Einzelne müsse Rassismus und Rechtsextremismus die Stirn bieten. «Immer nur «Nie wieder» zu sagen, reicht nicht. Wir sind alle gefordert, unseren Teil dazu beizutragen, damit sich in unserem Land alle sicher fühlen – egal woran sie glauben, wie sie aussehen, heißen, leben oder lieben», sagte Maas.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärte, der Anschlag von Halle bleibe «ein unfassbares Verbrechen, getrieben von erschütterndem Hass gegen Jüdinnen und Juden». «Der Nährboden solch schrecklicher Taten sind Hass, Hetze und Verschwörungsmythen voller niederträchtigem Antisemitismus. Dagegen müssen wir noch konsequenter vorgehen», betonte die SPD-Politikerin. Der Kampf gegen Antisemitismus werde auch ein Schwerpunkt der Videokonferenz der EU-Justizminister an diesem Freitag sein, kündigte Lambrecht an.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, warnte vor einem «steil ansteigenden Antisemitismus in Deutschland». «Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben Straftaten, auch Gewalttaten, gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland erheblich zugenommen», sagte Haldenwang dem Berliner «Tagesspiegel». Die Sorgen der jüdischen Mitbürger seien berechtigt, dass sie auf offener Straße Opfer von Anfeindungen bis hin zu gewaltsamen Attacken werden könnten.

In Deutschland hatte zuletzt der Angriff eines Mannes auf einen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg im In- und Ausland für Entsetzen gesorgt. Der Deutsche mit kasachischen Wurzeln hatte nach Erkenntnissen der Ermittler den 26-Jährigen aus Judenhass mit einem Klappspaten attackiert und schwer am Kopf verletzt. Nach der Tat wurde in der Hosentasche des Mannes, der eine Militäruniform trug, ein Zettel mit einem Hakenkreuz gefunden. Dem Mann werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Attentäter von Halle trug einen Kampfanzug, als er mit selbst gebauten Waffen und Sprengsätzen zwei Menschen erschoss, Menschen in Todesangst versetzte und um ihr Leben beten und zittern ließ. Bis heute berichten Menschen davon, dass sie das Trauma noch lange nicht überwunden haben. Zugleich bieten Betroffene als Nebenkläger dem Angeklagten die Stirn und rufen die Gesellschaft zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus und Judenhass auf – an jedem Tag.

© dpa-infocom, dpa:201009-99-880491/5

Um 12.01 Uhr fielen bei dem Attentat am 9. Oktober 2019 in Halle die ersten Schüsse. Ein Jahr danach gilt es zu erinnern und Zeichen zu setzen. Außenminister Maas fordert Zivilcourage und der Verfassungsschutzchef warnt vor Antisemitismus. Read More Feedzy

Halle (dpa) – Ein Jahr nach dem rechtsextremen und antisemitischen Terroranschlag hat in Halle das Gedenken an die Toten und Verletzten begonnen.

Am Freitagmorgen legten unter anderem der Zentralrat der Juden und die Landtagspräsidentin von Sachsen-Anhalt, Gabriele Brakebusch, große Gedenkkränze vor der Synagoge ab. Auch am angegriffenen Döner-Imbiss in der Nähe lagen frische Blumen.

Am Hauptbahnhof malten Vertreter des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen (Lamsa) erste Strichmännchen aus Kreide auf den Boden. Aus den Kreidezeichnungen soll als Zeichen der Solidarität eine gemalte, kilometerlange Menschenkette durch die Innenstadt werden, wie Lamsa-Chef Mamad Mohamad zum Auftakt sagte. «Jeder kann mitmachen.»

In der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, um an die Geschehnisse und die Opfer des Terroranschlags vom 9. Oktober 2019 zu erinnern. Zum Tatzeitpunkt kurz nach 12.00 Uhr soll das Leben in der Stadt still stehen und Glockengeläut ertönen. Am Nachmittag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Halle erwartet.

Vor genau einem Jahr hatte ein schwer bewaffneter Mann vergeblich versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der mehr als 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten.

Als das misslang, erschoss der Mann eine 40 Jahre alte Passantin, tötete beim Angriff auf einen nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20-Jährigen und verletzte und traumatisierte zahlreiche weitere Menschen, ehe er nach rund eineinhalb Stunden gefasst wurde. Vor dem Oberlandesgericht läuft gerade der Prozess gegen den 28 Jahre alten Angeklagten Stephan Balliet. Der Deutsche hat die Tat eingeräumt.

«Die Wunde, die jener 9. Oktober 2019 geschlagen hat, diese Wunde verheilt – aber es bleibt eine Narbe. Diese Narbe sollten wir nicht verstecken: Sie mahnt uns, sie erinnert daran, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist», erklärte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

Außenminister Heiko Maas bezeichnete rechten Terror als «größte Gefahr für unser Land». «Inzwischen gibt es alle 24 Minuten in Deutschland eine rechtsextrem motivierte Straftat. Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist die bittere rechtsradikale Realität in Deutschland», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Jeder Einzelne müsse Rassismus und Rechtsextremismus die Stirn bieten. «Immer nur «Nie wieder» zu sagen, reicht nicht. Wir sind alle gefordert, unseren Teil dazu beizutragen, damit sich in unserem Land alle sicher fühlen – egal woran sie glauben, wie sie aussehen, heißen, leben oder lieben», sagte Maas.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärte, der Anschlag von Halle bleibe «ein unfassbares Verbrechen, getrieben von erschütterndem Hass gegen Jüdinnen und Juden». «Der Nährboden solch schrecklicher Taten sind Hass, Hetze und Verschwörungsmythen voller niederträchtigem Antisemitismus. Dagegen müssen wir noch konsequenter vorgehen», betonte die SPD-Politikerin. Der Kampf gegen Antisemitismus werde auch ein Schwerpunkt der Videokonferenz der EU-Justizminister an diesem Freitag sein, kündigte Lambrecht an.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, warnte vor einem «steil ansteigenden Antisemitismus in Deutschland». «Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben Straftaten, auch Gewalttaten, gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland erheblich zugenommen», sagte Haldenwang dem Berliner «Tagesspiegel». Die Sorgen der jüdischen Mitbürger seien berechtigt, dass sie auf offener Straße Opfer von Anfeindungen bis hin zu gewaltsamen Attacken werden könnten.

In Deutschland hatte zuletzt der Angriff eines Mannes auf einen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg im In- und Ausland für Entsetzen gesorgt. Der Deutsche mit kasachischen Wurzeln hatte nach Erkenntnissen der Ermittler den 26-Jährigen aus Judenhass mit einem Klappspaten attackiert und schwer am Kopf verletzt. Nach der Tat wurde in der Hosentasche des Mannes, der eine Militäruniform trug, ein Zettel mit einem Hakenkreuz gefunden. Dem Mann werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Attentäter von Halle trug einen Kampfanzug, als er mit selbst gebauten Waffen und Sprengsätzen zwei Menschen erschoss, Menschen in Todesangst versetzte und um ihr Leben beten und zittern ließ. Bis heute berichten Menschen davon, dass sie das Trauma noch lange nicht überwunden haben. Zugleich bieten Betroffene als Nebenkläger dem Angeklagten die Stirn und rufen die Gesellschaft zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus und Judenhass auf – an jedem Tag.

© dpa-infocom, dpa:201009-99-880491/5

Kommentar verfassen

::: Powered By ::: WWW.123-GOLD-SURFER.DE ::: WWW.123-STARGATE.EU ::: WWW.GOLD-SURFER-FAUCET.DE ::: Powered By :::
Wie Sie mit diesem System innerhalb von 7 Tagen ihr erstes Geld online verdienen: Zeigen wir dir ... Wie Sie mit diesem System ihr erstes Geld online verdienen: Auf 123-Stargate.eu
%d Bloggern gefällt das: