Celle (dpa) – Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, und drei Mitangeklagte verkündet das Oberlandesgericht Celle an diesem Mittwoch die Urteile.

Dem 37-jährigen Iraker und den anderen Männern im Alter von 32 bis 55 Jahren wird vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und in Niedersachsen islamistisch radikalisiert und in Kampfgebiete der IS geschickt zu haben. Zwei der Rekrutierten sollen im Irak Selbstmordattentate mit zahlreichen Todesopfern verübt haben. Ein weiterer soll im Sicherheitsapparat des IS tätig gewesen sein.

Die Angeklagten stehen wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz seit September 2017 vor Gericht. Abu Walaa war Imam der Moschee des inzwischen verbotenen Vereins «Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim». Ein mitangeklagter Deutsch-Serbe soll seine Wohnung in Dortmund als Gebetszentrum genutzt und dort auch zeitweise den Islamisten Anis Amri beherbergt haben. Amri verübte 2016 einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin mit insgesamt zwölf Todesopfern.

Für Abu Walaa fordert die Bundesanwaltschaft elfeinhalb Jahre Haft, für die übrigen Angeklagten zwischen viereinhalb und zehn Jahren. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch beziehungsweise deutlich mildere Strafen. Im Prozess benannte das Gericht eine lange Liste weiterer Islamisten, die von dem Dortmunder und einem mitangeklagten Duisburger im Hinterzimmer von dessen Reisebüro radikalisiert worden sein sollen.

Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden blieb das Tun der Gruppe um Abu Walaa nicht. In Dortmund war regelmäßig V-Mann «Murat» des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen dabei – auch bekannt als «VP-01», der sich auch an die Fersen Amris heftete. Die Bundesanwaltschaft stützt sich auf Informationen dieses V-Manns, der für den Prozess aber keine Aussagegenehmigung erhielt. Ihr Kronzeuge ist ein junger Mann aus Gelsenkirchen, der als Jugendlicher in islamistische Kreise geriet, sich dann aber vom IS abwandte und mit den Behörden zusammenarbeitete.

Die Verteidigung zog die Glaubwürdigkeit dieses Kronzeugen in Zweifel. Dem V-Mann warf sie vor, selbst zu Anschlägen angestachelt zu haben. Die Anschuldigungen seien im Großen und Ganzen nicht nachweisbar.

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Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz IS fallen die Urteile. Der Hassprediger Abu Walaa und drei Mitangeklagte sollen junge Leute in IS-Kampfgebiete geschickt haben. Read More Feedzy

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